02.07.2019

Erste Sustainable Food City in Australien

Die Queensland University of Technology bringt ihre Forschungsergebnisse unter die Leute. Südlich von Brisbane entsteht die erste „sustainable food city“ in Australien.

Im Rahmen eines innovativen Food Agility Forschungsprojekts sollen ein digital unterstütztes Community-Kompostierungssystem und kleinere Lebensmittelproduktionsunternehmen in eine neue, gesamtplanerisch gestaltete Gemeinde integriert werden. Für die neu entstehende Kommune in Yarrabilba arbeitet die Lebensmittel- und Agrarsoziologin der QUT, Dr. Carol Richards, mit dem Infrastrukturunternehmen Lendlease an der Entwicklung von Prototypsystemen für eine nachhaltige lokale Lebensmittelproduktion. Dr. Mike Briers, CEO von Food Agility, will Yarrabilba zu einem Vorzeigemodell für digital integrierte, nachhaltige urbane Landwirtschaft und die „Kreislaufwirtschaft der Lebensmittel“ machen.

„Die Welt steht vor herausfordernden Fragen um Nahrungssicherheit und Nahrungsmittelproduktion: Wie kann man genug gesunde Lebensmittel herstellen, um eine wachsende Bevölkerung mit weniger verfügbarem Land zu ernähren und gleichzeitig Abfall und Umweltbelastungen minimieren?“ Yarrabilba soll für diese Fragen zum Versuchsfeld werden. Hier soll direkt erprobt werden, wie modernste digitale Technologien in die Gestaltung unserer Städte eingebunden werden können, um ein kommunales Ernährungssystem zu schaffen, das mit Lebensmittelabfällen betrieben wird."

In der ersten Phase wird der Prototyp eines digitalen Kompostierungssystems entwickelt, das mithilfe von Sensoren nachverfolgt, wann Personen ihre Küchenabfälle dem Kompost zufügen. Die Community  wird in der Lage sein, ihre Fortschritte auf einem digitalen Dashboard zu verfolgen. Dafür kann man sich Bonuspunkte verdienen, die in lokale Waren oder Dienstleistungen eingetauscht werden können. In der zweiten Phase werden ein digital unterstützter Garten (gespeist vom lokalen Kompostsystem) und ein lokaler Lebensmittelmarkt eingerichtet.

Michelle Wooldridge, die Entwicklungsleiterin von Yarrabilba, sagte, die Forschungsergebnisse würden in die Entwicklungspläne von Lendlease in Yarrabilba einfließen, wonach die Gemeinde bis 2041 auf 45.000 Menschen wachsen werde. Ziel ist es, die erste Gemeinde zu werden, die auf einer tatsächlichen Kreislaufwirtschaft beruht. Das Konzept sieht vor soziale, wirtschaftliche und ökologische Werte so zu verbinden, dass eine dynamische und handlungsfähige Gemeinschaft entsteht, in der Teilen, Zugang, Verbindung, Vielfalt und Kontrolle zentrale Aspekte sind.

„Wir betrachten ökologische Nachhaltigkeit und die Gesundheit der Bevölkerung auf eine völlig neue Art und Weise und bauen von Anfang an die notwendige Infrastruktur auf. Wir sind auch der Meinung, dass dies wirtschaftliche Chancen eröffnet, sei es durch die städtische Landwirtschaft, die Wertschöpfung aus Abfällen oder den Tourismus mit Nahrungsmitteln.“

Für die Ernährungs- und Agrarsoziologin Dr. Carol Richards ist die Kreislaufwirtschaft darüber hinaus ein neuer Ansatz zur Bewältigung des wachsenden Problems der Lebensmittelverschwendung.  In traditionellen Volkswirtschaften werden Lebensmittel produziert, verwendet und weggeworfen. In einer Kreislaufwirtschaft wird Abfall wieder in das System eingebracht, um einen neuen Wert zu schaffen.

In Yarrabilba werden Lebensmittelabfälle verwendet, um mehr Lebensmittel anzubauen und damit eine wertvolle Ressource für die Gemeinschaft zu schaffen. Wichtiger Aspekt des gesamten Projekts ist die Zusammenarbeit mit den Bewohnern, die die Gestaltung ihrer „Stadt für nachhaltige Lebensmittel“ aktiv mitbestimmen können.
 
Forscher*innen des Institute for Future Environments arbeiten derzeit an einer Reihe von Projekten, die das Modell der Kreislaufwirtschaft erproben und wie diese dazu beitragen kann, den weltweiten, dramatischen Anstieg von Lebensmittelverschwendung, Plastik und Textilabfällen zu reduzieren.