16.09.2020

Interview mit Sandra: Auslandssemester während der Corona-Pandemie

Zuerst wollte Sandra gar nicht ins Ausland. Und dann kam alles anders. Was Sandra dazu bewegt hat, doch nach Australien zu gehen und wie ihr Semester zu Zeiten einer weltweiten Pandemie verlaufen ist, verrät sie uns im Interview.

Hallo Sandra, willkommen zurück in Deutschland! Hast du dich nach deinem Auslandssemester in Australien wieder gut zuhause eingelebt?

Hallo. Ja sehr. Zum Glück zählte Australien bei meiner Rückkehr nicht als Risikogebiet und ich musste nicht in Quarantäne. Eine Woche nach meiner Ankunft war mein 25. Geburtstag und ich habe mich sehr gefreut, Familie und Freunde wiederzusehen.


Du warst bis vor kurzem noch in New South Wales und hast dort ein Semester an der University of Newcastle studiert. Eigentlich wolltest du gar nicht ins Ausland, hast dich dann aber doch dazu entschieden. Wie kam das?

Man lebt ja gerne in seiner eigenen Komfortzone und irgendwie hatte ich mich nie so richtig damit beschäftigt. Hinzu kam, dass meine Großeltern schon sehr alt sind (92 & 93) und ich Angst hatte, sie so lange nicht zu sehen. Zum Glück sind sie aber immer noch fit und ich bin sehr froh, dass ich diese Chance wahrgenommen habe und würde es jetzt auch jedem empfehlen! Die ausschlaggebenden Gründe waren eigentlich die Informationsveranstaltungen und die Aussicht auf Stipendien.


Das Semester lief dann ja doch etwas anders als geplant. Wenige Wochen nach Studienstart ist Covid-19 auch in Australien angekommen. Wie hat das deinen Alltag verändert?

Leider hat das den Alltag sehr stark verändert. Der Unistart war richtig gut: Orientierungswoche, Vorlesungen am Campus und praktische Tätigkeiten im Lebensmittellabor. In der Freizeit waren wir viel am Strand oder in der Umgebung unterwegs. Als Covid dann in Australien eintraf, war alles Unispezifische nur noch online von daheim und der Strand und die Geschäfte waren überwiegend geschlossen. Das heißt, man musste sich zuhause beschäftigen.


Wie hat die Uni auf die Pandemie reagiert?

Zuerst war alles etwas ungewiss. Erst hieß es nur, wer sich unwohl oder krank fühlt, der darf ohne Entschuldigung zuhause bleiben, weil sonst im Labor Anwesenheitspflicht herrscht. Dann wurden nach und nach die Vorlesungen auf online umgestellt und die praktischen Tätigkeiten im Labor leider komplett gestrichen. Die Bibliothek blieb geöffnet für Studierende, die zuhause Schwierigkeiten beim Lernen haben. Zudem konnte man auf Hausarbeiten ohne viel Aufwand eine Verlängerung um zwei Wochen mit dem Vermerk „Covid“ beantragen. Der Klausurenzeitraum wurde einen Monat nach hinten verschoben, damit die Studierenden mehr Zeit zum Lernen haben. Es wurde also viel Rücksicht auf uns genommen, dass man vermutlich von zuhause schlechter lernt als am Campus.


Du studierst Life Science Technology. Was kann man sich darunter vorstellen? Unterscheidet sich das Studium in Deutschland von dem in Australien?

Im Bachelor habe ich Lebensmitteltechnologie studiert und der Master Life Science Technologies baut darauf auf, nur dass man auch noch mehr in die Richtung Kosmetik- oder Biotechnologie gehen kann. Als Lebensmitteltechnologe beschäftigt man sich mit der Lebensmittelchemie der Rohstoffe, sowie den Maschinen, die für die industrielle Herstellung von Lebensmitteln benötigt werden. Zudem lernt man viel über unterschiedliche Herstellungsverfahren und Qualitätsmanagement, sowie Mikrobiologie. Fachlich ähnelte das Studium in Australien tatsächlich sehr dem in Deutschland. Natürlich habe ich auch noch einiges dazugelernt. Unterschiedlich fand ich jedoch das Verhältnis zu den Dozenten. In Australien haben sich alle mit Vornamen angesprochen und das Verhältnis war viel lockerer und persönlicher. Die Professoren haben immer wieder gesagt, dass man nicht in Panik und Stress verfallen soll :D.


Die Uni Newcastle hat mehrere Standorte. Du hast am Central Campus studiert und bei einer Gastfamilie gelebt. Wie bist du dazu gekommen?

An die Uni bin ich über die GOstralia! Homepage gestoßen und irgendwie war sie mir im Vergleich zu anderen in Großstädten dann am Sympathischsten. Erst dachte ich, dass ich am Standort Newcastle lande. Aber der Campus Central Coast hat mir auch sehr gut gefallen. Es war sehr familiär und naturverbunden. Die Gastfamilie habe ich über eine Stellenanzeige auf der Uniwebsite gefunden und angeschrieben, obwohl sie eigentlich hauptsächlich an Australier vermieten. Ich hatte mich auch beim Studentenwohnheim beworben, jedoch war kein Platz mehr frei.


Was waren für dich die Vorteile bei einer Gastfamilie zu wohnen gegenüber einer WG oder dem Studentenwohnheim?

In der Gastfamilie findet man direkt Anschluss und erlebt wirklich etwas von der australischen Kultur, wie der Alltag aussieht und z.B. die Essgewohnheiten sind. Ich wurde auch direkt wie ein Familienmitglied behandelt, das war sehr schön. Wenn man es familiär mag, ist das eine gute Wahl. Ich würde es gleichzeitig sogar auch als WG bezeichnen, da noch zwei weitere Zimmer an australische Studentinnen vermietet wurden. Zu dritt hatten wir unseren Bereich in der 1. Etage, quasi wie eine Mädels-WG. Der Vorteil eines Studentenwohnheims ist, dass man direkt am Campus wohnt und dort Anschluss findet. Ich brauchte mit dem Auto zehn Minuten oder dem Bus 40 Minuten bis zum Campus. Außerdem war ich in der Covid-Zeit nicht allein. Ich war sehr froh, mit meinen Mitbewohnern zu puzzlen oder Spiele zu spielen und gemeinsam diese Zeit mit der Familie durchzustehen. Sie hatten auch einen Hund, mit dem wir immer raus sind. In einer WG hätte man dann vielleicht einsam in seinem Zimmer gehockt.


Auch das Reisen war und ist ja noch eingeschränkt. Konntest du trotz Covid-19 ein wenig von Australien sehen? Was hat dir am besten gefallen?

Was das Reisen anging, konnte ich deutlich weniger machen, als ich mir vorgenommen hatte, aber ich war froh, dass es wenigstens etwas geklappt hat. Vor Covid war ich ein paar Mal in Sydney und den Somersby Falls und natürlich ganz oft am Strand. Als sich Covid lockerte und das Semester zu Ende war, ging es für mich noch eine Woche nach Coffs Harbour und Byron Bay und eine Woche in die Blue Mountains. Ich glaube, meine Highlights waren der Australian Reptile Park, wo man wirklich mit Kängurus kuscheln konnte und ich einen Wombat halten durfte. Und ansonsten Byron Bay! Surferparadise mit jungen, hippen Leuten und einer sehr entspannten Atmosphäre.


Und abschließend: Welchen Tipp gibst du zukünftigen Studierenden mit auf den Weg?

Generell würde ich jedem empfehlen, seine Komfortzone zu verlassen und auch mal etwas Neues, Ungewisses auszuprobieren. Vor allem in Australien sind die Menschen sehr locker und sehr hilfsbereit. Immer versuchen, das Beste aus allem zu machen und optimistisch zu denken! In Bezug auf Covid ist mir noch einmal klar geworden, dass man für vieles im Leben dankbarer sein sollte. Sei es die Gesundheit oder der Luxus, normalerweise überall jederzeit hinreisen zu können.

Hier findest du den Erfahrungsbericht zu Sandras Auslandssemester an der University of Newcastle.

 

Auch wenn das Reisen nach wie vor noch eingeschränkt ist, kannst auch du deine Pläne, im Ausland zu studieren, weiterverfolgen. Lass dich doch einfach unverbindlich bei uns beraten oder schau dir eines unserer kommenden Online-Seminare an. Dort bekommst du alle Infos zum Thema Studieren in Australien, Neuseeland oder Südostasien.