23.05.2017

Die RMIT University ist in der Diskussion um den Klimawandel und der Zukunft der Städte führend

Das RMIT arbeitet zusammen mit der Industrie in Europa an Plänen gegen die Auswirkungen des Klimawandels auf Städte, wie Dürren und Überschwemmungen, und an einer Bestandsaufnahme der Gegenmaßnahmen, die Stadtoberhäupter weltweit bereits ergreifen.

Nach einem Bericht der UN Habitat über Städte und Klimawandel nehmen die Städte weltweit insgesamt nur 2 Prozent des geografischen Raumes ein, sind aber für 70 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich.

Daher ist es offensichtlich, dass das Verständnis der Risiken und Bedrohungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel eine Priorität der Städte sein muss, und dieses Thema wird nun von Forschern des RMIT mit Branchenexperten in Europa angegangen.

Hartmut Fünfgeld, Professor am RMIT am Zentrum für Stadtforschung und RMIT Europe sagte, dass die Städte, die zum Klimawandel beitragen auch auf die Lösung dieses Problems hinarbeiten, indem sie sich zur Reduzierung von Treibhausgasen verpflichten und sich an die Auswirkungen des Klimawandels anpassen.

"Städte sind lebende urbane Labore geworden, wo mit Experimenten über ökologische Gebäude, intelligenten Stadtverkehr und neue Formen des Bürgerengagements Pionierarbeit geleistet wird", sagte er.

Fünfgeld führt das Beispiel des Wasserplatzes in Rotterdam an, der vom angesagten lokalen Architekten De Urbanisten entworfen wurde.

"Dieses Projekt wird oft als eine der innovativsten Anpassungen an mögliche Überschwemmungen in städtischen Gebieten bezeichnet", sagte er.

"Es hat einen natürlichen Wassersammlungspunkt in einem städtischen Einzugsgebiet zu einem flutbaren Teil der Infrastruktur gemacht, welches Regenwasser aus umliegenden Gebäuden sammelt.

"Viele Teile von Rotterdam werden in jedem Jahr überflutet. Die Entwässerung so zu verbessern, dass diese die nun häufiger vorkommenden extremen Niederschlagsereignisse aufnehmen kann wäre eine teure Option – also basiert die Lösung hierfür darauf, das Wasser drinnen zu halten anstatt es auszusperren."

Als Ergebnis installierte der Rotterdamer Stadtrat drei flache Becken, die sich füllen wenn es regnet und gleichzeitig als Naherholungsraum verwendet werden können, wenn sie trocken sind.

Große Edelstahlrinnen kanalisieren das Regenwasser in Becken, die bei starkem Regen zu einer Wand von Kaskaden werden – nach den Worten Fünfgelds nicht nur ein ästhetischer Gewinn, sondern auch eine Demonstration, wie überaus effektiv kleine und simple Veränderungen sein können.

Der Forscher in Sachen zukünftiger Stadtentwicklung greift auch auf die Stadtwaldstrategie in Melbourne als Beispiel für städtische Innovation als Reaktion auf den Klimawandel zurück.

Fünfgeld, der neun Jahre in Melbourne gelebt hat sagte, dass die Stadtverdichtung in Melbournes Innenstadt extreme Hitze verstärkt, so dass die Temperaturen dort bis zu fünf Grad höher sein können als im Stadtrand.

"Darüber hinaus hat eine von der Stadt Melbourne in Auftrag gegebene Studie festgestellt, dass 23 Prozent des bestehenden Baumbestands in der Stadt das Ende ihrer nutzbaren Lebens bis 2020 erreicht haben wird", sagte er.

"Eine Zunahme von Baumkronen in den Städten hat sich als einer der kosteneffizientesten Wege zur Reduzierung der Wärme in der Stadt erwiesen, sie ist weiterhin auch ein wichtiger Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung.

"Die Stadtwaldstrategie Melbournes zielt darauf ab, die Baumbedeckung der Stadt zu verdoppeln, um das Gebiet bis 2030 um vier Grad abzukühlen."

Was aber ist mit Städten, die nicht über die Ressourcen verfügen, um in derartige innovativen Lösungen zu investieren?

Laut Dr. Gereon Uerz, Spezialist für Zukunftsvisionen und Innovationen bei Arup ist dies eine kritische Frage, die man sich stellen muss, wenn man die Anpassung der Städte an den Klimawandel untersuchen möchte.

"Die größten Städte der Zukunft liegen in Afrika. Lagos in Nigeria, so wird erwartet, wird einmal 80 Millionen Einwohner haben und damit die größte menschliche Ansiedlung auf der Erde werden ", sagte Uerz.

"Wie aber können politische Führer sicherstellen, dass Lösungen in ärmeren Ländern umgesetzt werden?

"Die verwundbarsten Gruppen müssen in die Planung von Anpassungsmaßnahmen und die politischen Entscheidungsprozesse eingebunden werden.

"Es geht nicht nur um die reine Anwendung von Technologie. Es geht vielmehr darum Strategien und Denkweisen zu entwickeln und die Menschen bei der Planung und Gestaltung von belastbaren Städten zu beteiligen.”

Fünfgeld und Uerz haben sich kürzlich zusammen in Berlin einen gemeinsamen Workshop für RMIT-Alumni aus den Bereichen Städtebau, Projektmanagement und Bildung organisiert, in welchem der Klimawandel und die Zukunft der Städte thematisiert wurden.

Diese Veranstaltung war Teil der „Global Dialogue Series“ des RMIT, ein Programm zur Dialogförderung bei der Transformation und Umgestaltung globaler Themen.