28.11.2016

Networking Research Symposium in Stuttgart

Das GOstralia! Research Centre veranstaltete in Zusammenarbeit mit Baden-Württemberg International und der Unterstützung von Austrade das Australian-German Networking Research Symposium.

Trotz der räumlichen Entfernung nimmt der deutsch-australische Austausch für Hochschulen und Forschungspartner einen hohen Stellenwert ein. Die Ende 2015 erschienenen 59 Empfehlungen der Australia-Germany Advisory Group (AGAG) stärken den wissenschaftspolitischen Rahmen für den intensiven Aufbau deutsch-australischer Forschungskooperationen. 

Wie eng die Zusammenarbeit zwischen Australien und Deutschland auf Hochschulebene ist, machte das Australian-German Networking Research Symposium Research Landscapes and Technology Transfer in Australia and Baden-Württemberg – Current Projects and Perspectives for Research Collaboration deutlich, das das GOstralia! Research Centre in Zusammenarbeit mit Baden-Württemberg International und der Unterstützung von Austrade Frankfurt am 25. November in Stuttgart veranstaltet hat.

Dr. Hans-Jörg Stähle vom Büro International, DLR Projektträger, konnte die starken Bindungen zwischen beiden Ländern in seiner Präsentation Research Landscape and (Higher Education) Research Policy in Australia mit aktuellen Zahlen belegen. Zwischen Deutschland und Australien gibt es 572 Kooperationsabkommen, die von einem reinen Studierendenaustausch über den Austausch von Nachwuchsforschern bis hin zu innovativer Forschungszusammenarbeit reichen. Mit 15.466 gemeinsamen Veröffentlichungen (2011-2015) ist Deutschland für Australien einer der wichtigsten Forschungspartner überhaupt.

Für die deutsche Seite stand die Forschungslandschaft Baden-Württembergs im Fokus. In-Sook Choi von Baden-Württemberg International zeigte in ihrem Vortrag Research Landscapes and Technology Transfer in Australia and Baden-Württemberg, dass kein anderes Bundesland mit einer solchen Dichte an staatlichen und privaten Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaften und außeruniversitären Forschungseinrichtungen aufwarten kann. Rund 70 Hochschulen und Universitäten von mehr als 420 deutschen Einrichtungen sind in Baden-Württemberg angesiedelt. Darüber hinaus sind im Südwesten Deutschlands an die 500.000 Unternehmen ansässig. Ideale Voraussetzungen, um Hochschulforschung und Industrie miteinander zu verknüpfen.

Wie intensiv diese bi-nationalen Partnerschaften zwischen Hochschulen und Industrie schon sind, machten die vier Fallstudien mehr als deutlich. Erfolgreiche Forschungskooperationen sind immer an den guten persönlichen Kontakt geknüpft. Diese Tatsache betonte Prof. Christian Karnutsch von der Hochschule Karlsruhe mit der Vorstellung seines Australian-German Study Centre for Optofluidics and Nanophotonics (SCON). Mit der Partnerhochschule in Melbourne, dem Royal Melbourne Institute of Technology (RMIT) und in enger Anbindung an die Industrie vor Ort, der Firma Bürkert, hat er einen funktionierenden und sich ständig erweiternden Forschungsaustausch von exzellenten Studierenden und Wissenschaftlern aufgebaut. Von der Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses profitieren alle Seiten.

Dr. Leonie Barner vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) stellte die überaus erfolgreiche Partnerschaft der Macromolecular Chemistry Group (macroarc), die am KIT und an der Queensland University of Technology (QUT) angesiedelt ist, mit Evonik Industries vor. Anwendungsorientiertes und innovatives Arbeiten ist für das  deutsch-australische Forschungsteam im Hinblick auf den Industriepartner von besonderer Bedeutung. Doch der transnationale Forschungstransfer lebt auch vom gegenseitigen Vertrauen und den persönlichen Kontakten. Wie erfolgreich diese Partnerschaft ist zeigt sich in den 14 Patenten, die man seit 2009 anmelden konnte sowie in den zahlreichen gemeinsamen Publikationen.

Eine besondere Mischung bi-nationaler und multilateraler Forschungskooperationen, die auf beiden Seiten Akteure aus universitärer Forschung und Industrie zusammenbringen, stellte Prof. Thomas Stieglitz von der Universität Freiburg vor.  Als Leiter des Instituts für Mikrosystemtechnik (IMTEK) und des Exzellenz Clusters BrainLinks-BrainTools (ExC 1086) arbeitet er erfolgreich mit der UNSW Australia und der University of Melbourne zusammen und  ist für den Industriepartner Bionic Vision Australia in der Umsetzung beratend tätig. Dabei fällt auf, dass die einzelnen Partner die biomedizinische Mikrotechnnologie zu einer anderen Anwendung bringen. Als Mitbegründer und Berater zweier spin-off Unternehmen CorTec und neuroloop ist Prof. Stieglitz darüber hinaus direkt am Technologietransfer und der industriellen Umsetzung auf deutscher Seite beteiligt.

Prof. Harald Giessen von der Universität Stuttgart hat mit dem 4th Physics Institute verschiedene Kooperationen in die australische Forschungslandschaft hinein.  Wichtige Forschungskontakte für seine Projekte in ultrafast nanooptics sind die University of Sydney und CSIRO (Commonwealth Scientific & Industrial Research Organisation), die mit 5.300 Mitarbeitern die größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung in Australien ist. Neben zahlreichen gemeinsamen Publikationen ist  der Austausch von exzellenten, jungen Nachwuchsforschern zentraler Bestandteil der erfolgreichen Forschungskooperationen.

In der abschließenden Paneldiscussion kam Prof. Schultmann vom KIT Lehrstuhl für BWL, insbes. Produktionswirtschaft und Logistik, hinzu, der ebenfalls von der Betreuung von Nachwuchswissenschaftlern über  die Tätigkeit als Adjunct Professor am QUT bis hin zu  Erfahrungen an der University of Adelaide über langjährige Erfahrungen der deutsch-australischen Zusammenarbeit verfügt.  
In der sehr lebhaften Podiumsdiskussion wurden mit allen Rednern, die unterschiedlichen Parameter einer erfolgreichen deutsch-australischen Forschungszusammenarbeit diskutiert wie auch die Vor- und Nachteile, wenn industrielle Partner mit eingebunden sind. So wurde der Punkt der eindeutigen und gemeinsamen Definition von Kriterien der Zusammenarbeit zwischen Industrie und Forschung  für eine erfolgreiche Partnerschaft hervorgehoben, da die Zieldefinitionen durchaus durch unterschiedliche Auffassungen geprägt sein können. Bezüglich der Frage nach dem Aufbau gleichwertiger und nachhaltiger Partnerschaften wurde von allen Seiten die Qualität exzellenter Forschung als eine zentrale Voraussetzung angesehen. Darüber hinaus wurden vor allem die persönliche Kontakte und gegenseitiges Vertrauen als wichtigstes Element zur positiven Dynamisierung und Langfristigkeit solcher Kooperationen benannt.

Genügend Zeit zum Netzwerken, für ausführlichere Gespräche und erste Kontakte gab es beim gemeinsamen Mittagessen und beim Matchmaking Forum, das sich an die Vorträge anschloss. Von dieser Möglichkeit machten die Teilnehmer regen Gebrauch, so dass das Symposium nicht nur intensive Einblicke in bestehende Kooperationen bot, sondern auch zur Plattform für die Anbahnung von neuen Partnerschaften wurde.

Die Veranstaltung fand im Kontext der Down Under Messe - Karriere, Studium und Forschung in Australien und Neuseeland statt.